Rezension von Abenteuerland


(Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das uns freundlicherweise von Verlag HABA bereitgestellt wurde.)

Rezension

Abenteuerland
"Abenteuerland" ist ein Spiel von Wolfgang Kramer & Michael Kiesling, das beim HABA-Verlag in deren neuen Reihe "Spieleabend approved" erschienen ist, und die sich an Familien richtet. Dies steht im Gegensatz zum sonstigen HABA-Sortiment, das vornehmlich auf (Klein-)Kinder ausgelegt ist. Der Titel des Spiels sagt es bereits, hier geht es um eine Gruppe von Abenteurern, die im "Abenteuerland", das von König Agamis regiert wird, Länder erkunden, Aufgaben bestehen und Gegner besiegen muss. Es werden 3 sogenannte "Abenteuer" mitgeliefert, die unterschiedliche End- & Siegbedingungen enthalten und somit leicht unterschiedliche Taktiken voraussetzen. Es gewinnt der Spieler, der je nach Abenteuer die meisten Siegpunkte gesammelt hat.

Spielablauf
Der Spielplan mit dem - in Quadrate unterteilten - "Königreich" kommt in die Tischmitte. Die Karten und Plättchen werden nach Typ sortiert, gemischt und verdeckt bereit gelegt. Nun wird entschieden, welches Abenteuer gespielt werden soll.

Jeder Spieler erhält (je nach Spielerzahl unterschiedlich viele) Abenteurer sowie einen Punkte-Zählstein in seiner Farbe sowie eine gewisse Anzahl an Gefährten und Schwertern. Je 1 Abenteurer der Spieler wird in die 8 oder 10 Startbereiche des Spielbretts (oben links) gestellt. Anschließend werden 8 Geländekarten aufgedeckt und die entsprechenden Plättchen oder Gefährten auf dem Spielplan platziert.

Das Spiel geht reihum. Ist ein Spieler an der Reihe führt er folgende 2 Aktionen durch:
  • 2 Geländekarten aufdecken und Plättchen bzw. Gefährten auslegen
  • Abnteurer ziehen

Es gibt 5 unterschiedliche Geländekarten, durch die der Spielplan unterschiedlich "bestückt" wird:
  • Wald: Ein Kräuter-Plättchen wird verdeckt auf das abgebildete Spielplanfeld gelegt.
  • Stadt: Ein Gefährte wird auf das abgebildete Spielplanfeld gestellt
  • Gebirge: Ein Schwert-Plättchen wird verdeckt auf das abgebildete Spielplanfeld gelegt.
  • Fluss: Ein Gold-Plättchen wird auf das abgebildete Spielplanfeld gelegt und die Wassermann-Figur auf dieses Feld gezogen. Alle Abenteurer & Gefährten, die hierbei "überzogen" werden, kommen aus dem Spiel.
  • Nebel: Ein Nebelwesen wird offen auf das abgebildete Spielplanfeld gelegt. Zusätzlich wird eine weitere Geländekarte aufgedeckt & ausgeführt.



In der Aktion "Abenteurer ziehen" kann der Spieler 2 Abenteurer (verschiedene oder 2 der Gleiche) beliebig weit nach rechts oder unten ziehen. Eine Bewegung nach links oder oben ist nicht erlaubt. Felder mit Plättchen oder Figuren dürfen mit Ausnahme vom Wassermann und den Nebelwesen dabei übersprungen werden. Man darf seinen Zug nicht auf dem Feldern mit anderen Abenteurern oder dem Wassermann beenden. Je nach Zielfeld passiert folgendes:
  • Wald: Man nimmt ggf. das Kräuterplättchen und legt es verdeckt vor sich ab.
  • Stadt: Steht ein Gefährte auf dem Stadtfeld, zieht dieser von nun an, mit dem Abenteurer zusammen über das Spielfeld.
  • Gebirge: Man nimmt ggf. das Schwerplättchen und legt es verdeckt vor sich ab.
  • Fluss: Man nimmt ggf. das Goldplättchen und legt es vor sich ab.
  • Nebel: Befindet sich ein Nebelwesen auf dem Nebelfeld, muss man gegen es kämpfen und dabei mindestens die rot dargestellte Kampfstärke des Wesens erreichen. Dazu wird die Anzahl aus Abenteurer & Gefährten gebildet und man kann optional Schwerter-, Gold- & Kräuterplättchen einsetzen, die weitere Bonuspunkte einbringen, damit aber aus dem Spiel sind. Bei einem Sieg des Helden, erhält dieser das Nebelwesen-Plättchen; bei einer Niederlage werden alle eingesetzten Spielmaterialien (inkl. Abenteurer) aus dem Spiel entfernt.

Das Spiel endet am Ende der Runde, in der es keine Schwerter- und Gefährtenplättchen mehr im Vorrat gibt bzw. wenn kein Spieler mehr einen gültigen Zug machen kann. Je nach Abenteuer gibt es nun eine unterschiedliche Berechnungen der Schlusswertung.

Fazit
Nach Spookies ist "Abenteuerland" das 2. Spiel aus der neuen Familienspiel-Reihe "Spieleabend approved" von HABA, das ich rezensieren darf. Das Spiel (bzw. die Reihe) richtet sich explizit an Familien oder Neulinge im Brettspiel-Genre, so dass hier die Komplexität der Regeln und die Spieltiefe daraus ausgerichtet ist.

Qualitativ gibt es wie von HABA gewohnt nichts zu meckern, auch wenn die Spielbrett- & Kartenillustrationen durchaus etwas detailreicher hätte ausfallen können. Das Spielmaterial ist griffig und die Karten von guter Qualität.

Die Entscheidungsvielfalt bei Abenteuerland ist (dem Ziel-Publikum geschuldet) natürlich nicht sonderlich hoch. Man muss sich lediglich entscheiden, mit welchem bzw. welchen seiner Abenteurer man wie weit zieht. Das dies aber nicht zu trivial wird, liegt am eleganten Zugmechanismus, der nur Bewegungen nach rechts oder unten zulässt. Da immer neue Geländefelder aufgedeckt werden, muss man sich gut überlegen, welchen Zug man macht und welchen "Weg" man bis zum Brettende unten rechts ungefähr gehen will.

Das Kampfsystem ist auch sehr einfach gehalten, bietet mit dem optionalen Einsatz von Kräutern (= Würfeln), Schwertern oder Gold aber genügend Möglichkeiten zum taktieren bzw. riskieren. Durch die angegebene Kampfstärke kann man auch bereits vorher gut einschätzen, ob es überhaupt Sinn macht, das Nebelwesen anzugreifen. Gut gefallen haben mir auch die 3 unterschiedlichen Abenteuer, die durch ihre verschiedenen Siegpunktwertungen unterschiedliche Taktiken (z.B. "Sammeln oder Kämpfen") benötigen, um erfolgreich zu sein. Dabei nimmt die Komplexität von Mal zu Mal zu, was eine nette Lernkurve mit sich bringt.

Auch wenn sich "Abenteuerland" vornehmlich an Familien richtet, muss es in einer Vielspielerrunde nicht unbedingt fehl am Platz sein. Obwohl hier natürlich mangelnde Spieltiefe bemängelt werden könnte, hat das Spiel eine gewisse elegante Einfachheit ohne aber belanglos zu wirken. Gerade das 3. Abenteuer fordert letztendlich auch eine Gewisse Weitsicht der Spieler.

Mir hat "Abenteuerland" recht gut gefallen, da es ein guter Einstieg in die Welt der Gesellschaftsspiele darstellen kann - sowohl für Neulinge als auch für spielebegeisterte Kinder. Es ist in allen vorgesehenen Spielerzahlen (2 bis 4) gut spielbar. Lediglich zwei Dinge haben mich ein kleines bisschen gestört, ohne dabei wirklich große Kritikpunkte zu sein: Die Anzahl der Abenteuer (3) hätte gerne etwas großzügiger sein können (Stichwort: Wiederspielwert) und der Aspekt des "Abenteuers" kommt mir etwas zu kurz. Eine persönliche Siegbedingung oder zusätzliche Aufgaben hätten dem Spiel noch etwas mehr Tiefe geben können, ohne zusätzliche Komplexität einzubauen.



26. Juli 2016 - (Thorsten Pohl)

Rezensionsbilder