Rezension von First Class – Unterwegs im Orient Express


(Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das uns freundlicherweise vom Verlag Hans im Glück bereitgestellt wurde.)

Rezension

Spielziel
In "First Class" versucht jeder Spieler zwei Züge möglichst komfortabel auszustatten, um Passagiere anzulocken. Zusätzlich wird die eigene Strecke gewinnbringend ausgebaut. Lukrative Aufträge können erfüllt werden und manchmal müssen die Spieler wie in einem Krimi einen Mörder überführen, ohne dabei selber unter Verdacht zu geraten.

Spielablauf
"First Class" geht über 6 Runden. Jede Runde ist einem Kartenstapel zugeordnet, die es in 3 Stufen gibt. Vor jeder Runde werden 18 Karten einer Stufe offen ausgelegt. Allerdings müssen vor jedem Spiel erst einmal die Kartenstapel gebildet werden. Diese setzen sich zusammen aus den Karten des Basismoduls plus 2 ausgewählte Module, von denen insgesamt 5 in dem Spiel enthalten sind. Alle Karten dieser 3 Module werden nach Stufen getrennt ineinander gemischt.

Ist ein Spieler an der Reihe, wählt er aus dieser Auslage eine Karte und führt die entsprechende Aktion aus. Das können neue Waggons sein, das Aufwerten von Waggons, das Bewegen von Schaffnern, die Bewegung der Lokomotive, das Ausbauen der Strecke, das Nehmen von Aufträgen oder je nach Modul eine von vielen anderen Möglichkeiten.

War jeder Spieler drei Mal an der Reihe, endet eine Runde. Es werden neue Karten aufgedeckt und wieder ist jeder drei Mal an der Reihe. Nach jeder zweiten Runde findet eine Wertung statt. Danach geht es weiter mit den Karten der nächsten Stufe.

Bei den Wertungen können die Spieler noch viele Effekte abhandeln und Aufträge erfüllen. Punkte gibt es hauptsächlich für die beiden Züge, je nachdem wie lange und wie komfortabel diese sind. Es zählen allerdings nur die Waggons, die von den eignen Schaffnern inspiziert wurden.

Gesamteindruck
Die erste Partie von "First Class" ist meist zäh und bleibt unter den Möglichkeiten. Passiert anfangs noch wenig, gewinnt das Spiel im weiteren Verlauf erheblich an Dynamik und die Züge nehmen richtig Fahrt auf. Insbesondere die dritte Wertung hat es meistens in sich, da sich während dieser noch viel bei den Spielern verändert. Ein wahres Fest für Optimierer. Die nächsten Partien spielen sich dann sehr flott und benötigen im Schnitt eine Stunde. Mit mehreren Spielern kann es zu etwas längeren Wartezeiten kommen. Die 6 Runden á 3 Aktionen - also insgesamt 18 Aktionen - kommen einem zunächst wenig vor, aber durch die sehr flotte Spielweise und die recht kurze Spieldauer sind diese optimal konzipiert und laden immer wieder zu einem neuen Spiel ein.

Manchmal kommt einem das Glück in Quere, wenn zu meiner Planung nicht die richtigen Karten zum richtigen Zeitpunkt kommen, oder diese von den Mitspielern weggeschnappt, bzw. abgeräumt werden. Mir persönlich machen der Ausbau der eigenen Strecke und das Bewegen der Lokomotive viel Spaß und ich freue mich über die Effekte, die ich bei den Wertungen dafür bekomme. Nur leider habe ich mit dieser Strategie immer verloren, wenn ich dadurch den Ausbau meiner Züge vernachlässigt habe. Das finde ich etwas schade.

Das Material ist sehr gut, sowie hübsch und funktional gestaltet. Nur die Spielendekarten lassen sich etwas schwierig unterscheiden und zuordnen. In dem Tiefziehteil der Schachtel kann man vorbildlich das Spielmaterial einsortieren und somit das Aufräumen und Vorbereiten erleichtern. Denn vor und nach einem Spiel müssen die Karten der Module zusammengestellt und dann wieder auseinander sortiert werden. Das ist manchmal etwas mühselig.

Das Besondere an "First Class" sind die Module, von denen bereits fünf unterschiedliche im Spiel enthalten sind. Neben dem Basismodul kommen immer zwei weitere ins Spiel. Man kann den Empfehlungen der Anleitung folgen oder diese beliebig auswählen. Ich möchte die Module im Einzelnen kurz vorstellen und meine Meinung dazu abgeben.

Modul A – "Die Aufträge"
Hier kommen weitere Aufträge ins Spiel, die nach Erfüllung meist weitere Effekte auslösen. Diese kann man sehr gezielt, wenn man an der Reihe ist und auch bei einer Wertung einsetzen. Anfangs vernachlässigt, sind diese effektiver als vermutet, da man mit ihnen seine Züge optimieren kann.
-> Ein gutes Modul, insbesondere für Optimierer.

Modul B – "Berühmtheiten und Postkarten"
Die Berühmtheiten sind Personen, welche man in einen seiner Waggons setzt. Dadurch verdoppelt sich dessen Punktzahl bei einer Wertung. Die Postkarten sind Städte, welche man zu einer seiner Streckenkarten legt. Dadurch verdoppeln sich deren Effekte bei einer Wertung.
-> Ein Modul, welches den Spielern starke Karten und viele Punkte und somit natürlich viel Spaß bringt.

Modul C – "Wer ist der Mörder?"
Mit diesem Modul kommen zusätzlich Beweise und 4 Karten ins Spiel, von denen jeder Spieler zu Spielbeginn 1 zufällig erhält. Eine Karte davon ist die Mörderkarte. Dieser Spieler muss besonders aufpassen. Denn die Spieler bekommen nun durch Aktionskarten Beweise zugeschustert, was eher schlecht ist. Allerdings kann man diese teilweise auch wieder loswerden. Das Besondere: Der Spieler mit den meisten Fingerabdrücken auf den Beweisen scheidet am Spielende aus. Der Umgang mit den Beweisen macht das Spiel mit mehreren Spielern sehr spannend und man muss aufpassen, nicht zu viele zu bekommen.
-> Ein interaktives und spannendes Modul, bei dem am Ende ein Spieler ausscheidet. Ich finde das ziemlich hart und hätte mir eine andere Art von Strafe gewünscht. Zu Viert interessant, zu Zweit zu beliebig.

Modul D – "Passagiere und Gepäck"
Bei diesem Modul können Passagiere in den oberen Zug einsteigen und Gepäckstücke in den unteren Zug geladen werden. Sie belegen einen freien Waggon und bringen sofort einen Bonus wenn der Waggon mindestens die Stufe 1 und der Schaffner diesen auch erreicht hat. Die Passagiere bringen sofort Münzen plus eine Münze für jeden weiteren Passagier, der schon eingestiegen ist. Die Gepäckstücke bringen sofort Siegpunkte plus 2 Siegpunkte für jedes weitere Gepäckstück.
-> Ein Modul, welches Spaß macht, man sich aber auf die Personen- oder auf die Gepäckförderung spezialisieren sollte.

Modul E – "Weichen und Mechaniker"
Die Weichen und Mechaniker werden zwischen die beiden Züge gelegt und umfassen jeweils zwei Waggons. Weichen haben als Voraussetzung eine bestimmte Waggonaufwertung und der Schaffner muss mindestens den jeweiligen Waggon erreicht haben. Dann werfen die Weichen zusätzlich Siegpunkte bei der Wertung ab. Die Mechaniker bringen sofort einen Bonus und hat der linke Waggon eine bestimmte Aufwertung, darf man sofort und einmalig den rechten Waggon aufwerten.
-> Ein Modul, welches bei uns noch nicht so richtig gezündet hat.

Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass die meisten Aktionskarten aus dem Basismodul kommen, welches ja immer dabei ist und entsprechend viel genutzt wird. Da stellt sich die Frage, wie viel Einfluss die anderen Module haben und könnte ich immer nur die Basiskarten spielen, um zu gewinnen? Ja, das geht theoretisch. Natürlich hängt das immer von der Auslage und den Mitspielern ab.

Da jeder Spieler vor sich hin tüftelt, stellt sich auch die Frage nach der Interaktion. Und ich kann sagen, dass diese durchaus gegeben ist. Man muss die anderen Spieler im Auge behalten und deren Pläne verfolgen. Denn da liegt beispielsweise eine Karte aus, mit der ich nichts anfangen kann, aber einem Mitspieler viele Punkte bescheren kann. Nun gilt es abzuwägen, diese ihm wegzuschnappen und das Beste daraus zu machen.

Fazit
"First Class" ist ein kartengetriebenes Optimierspier- und Strategiespiel, bei welchem durchaus auch Eisenbahner-Feeling aufkommt. Die zufälligen Auslagen und die verschiedenen Module machen es sehr spannend und abwechslungsreich. "First Class" ist für jede Spielerzahl bestens geeignet und macht viele Partien lang viel Spaß bei angenehmer Spieldauer.

24. Januar 2017 - (Michael Schmitt)

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