Rezension von Star Wars: Imperial Assault - Das Imperium greift an


(Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das uns freundlicherweise vom Heidelberger Spieleverlag bereitgestellt wurde.)

Rezension

Imperial Assault
Wow, das nenne ich mal eine große & schwere Spieleschachtel. Ok, nicht so groß wie die Erstauflage von Descent, aber doch recht beachtlich liegt vor mir das Spiel "Imperial Assault - Das Imperium greift an" vom Heidelberger Spieleverlag (im Original von Fantasy Flight Games (FFG)). Passend zum Erscheinen des neuen Star Wars Films im Dezember ist nun auch das Star Wars- Strategie-Spiel in deutscher Sprache erhältlich. Bereits das Cover zeigt, was die Spieler erwartet: Action in (Boden-) Gefechten zwischen Rebellen und dem Imperium - und über allem thront Darth Vader.

Schon das Auspacken der Spielmaterialien dauert seine Zeit: 34 Plastikminiaturen (inkl. einem großen(!) AT-ST, Luke Skywalker und Darth Vader), fast 60 Spielplanteile, 11 Würfel, knapp 300 Karten, mehr als 150 Marker und Plättchen sowie 4(!) Anleitungen. Ja, richtig gelesen, 4 Anleitungen: Es gibt eine Spielanleitung für den Schnelleinstieg, ein Referenzhandbuch mit allen detaillierten Regeln, ein Kampagnenhandbuch, in dem die Kampangne beschrieben ist sowie ein Gefechtshandbuch mit den Regeln für die Eins-Gegen-Eins Gefechte.

Einzig die Verwahrung der Spielmaterialien bleibt Sache des Spielers - leider liegen keine Zipperbeutel o.ä. zur Sortierung bei - bei einem Verkaufspreis von fast 80 Euro wäre dies wünschenswert gewesen. Das ist aber jammern auf hohem Niveau - der echte Star Wars Fan kommt aus dem grinsen beim anschauen der Materialien gar nicht mehr raus

Vorbereitungen & Ablauf
Zunächst einmal muss man bei "Imperial Assault" unterscheiden, welchen Spielmodus man spielen möchte: Es gibt einen Kampagnenmodus (i.d.R für 3+ Spieler), der über mehrere Sessions & Tage gespielt wird und eine komplette Geschichte erzählt, sowie einen Gefechtsmodus (für 2 Spieler), der schnelle 2-Spieler-Gefechte abbildet, die innerhalb von 60-120 Minuten gespielt werden können.

Beiden Spielmodi liegen die gleichen Grundregeln zugrunde - auf die wichtigsten Unterscheidungen wird weiter unten eingegangen. Aufgrund der Regelmenge wird hier nur ein grober Überblick gegeben.

Gespielt wird Imperial Assault auf einem (durch Spielplanteile) variabel aufgebautem Spielplan, der die Grundlage für das Abenteuer oder Gefecht bildet, und der aus unterschiedlichen "Umgebungen", wie z.B. Innenräume, Natur usw. bestehen kann. Ein Spieler übernimmt die Seite der Rebellen (die "Helle Seite der Macht"), der andere die Seite des Imperiums (die "Dunkle Seite der Macht"). Dabei sind die Rebellen zahlenmäßig i.d.R. in der Unterzahl gegenüber dem Imperium.

Die Spieler setzen ihre Figuren auf dem Spielplan ein und haben jeweils ein oder mehrere Ziele, die es zu erfüllen gilt. Das Spiel geht über mehrere Runden, in denen die Spieler abwechselnd mit jeweils einer ihrer Figuren (Rebellen) oder einer ihrer Figurengruppen (Imperium) Aktionen durchführen können. Ein Hauptelement des Spiels sind die Gefechte zwischen den Parteien, die per Würfel entschieden werden. Sobald eine Seite ihr Missionsziel erfüllt hat, endet die Mission oder das Gefecht.

Um diese Ziele zu erreichen, können die Figuren Aktionen durchführen. Die wichtigsten Aktionen sind Bewegen, Angreifen, Interagieren sowie Figur-spezifische Sonderaktionen. Die Kämpfe zwischen den Figuren werden per Würfelwurf entschieden, bei dem diverse Faktoren (Sichtlinie, Entfernung, Figuren-Werte) Einfluss nehmen.

Nun zu den Unterschieden der Spielmodi "Kampagne" und "Gefecht". Der Kampagnenmodus ist auf eine viel längere Spieldauer ausgelegt, wird über mehrere "Sessions" gespielt und richtet sich eher an Spielrunden ab 3 Spielern. Während sich die Kampagnengeschichte entfaltet, werden die Rebellen stärker, erhalten neue Gegenstände und Verbündete. Aber auch das Imperium sammelt neue Verbündete und baut sein "Arsenal" aus. Es ist sogar möglich, dass der Imperiale Spieler den Rebellen spezielle Sondermissionen quasi aufzwingen kann. Während der kompletten Kampagne verändern sich die beteiligten Rebellen nicht - sie spielen das Spiel bis zum Ende durch - erst in der letzten Mission entscheidet sich, wer gewinnt, was die Spannung steigert.

Der Spielmodus "Gefecht" richtet sich an Spieler, die im Modus Spieler-Gegen-Spieler ein schnelles Gefecht austragen wollen. Dabei sind sowohl Elemente aus dem Deckbuilding (die Spieler können sich ein Deck aus spezielle Befehlskarten zusammenstellen, die Sonderfähigkeiten gewähren) als auch aus dem Bereich Tabletop (die Spieler können sich ihre eigene "Armee" aufstellen) enthalten. Auch das eigentliche Gefecht (und die damit verbundenen Siegbedingungen) und der Spielplan ändert sich je nachdem, welches Gefecht gewählt wurde. Das Spiel dauert genau ein "Gefecht" - dann steht der Gewinner fest.

Fazit
Wie eigentlich bei allen Spielen aus dem Hause Heidelberger (bzw. FFG) gibt es am Spielmaterial nicht großartig etwas auszusetzen. Angefangen vom Cover, über die Spielplanteile bis hin zu den Karten sind die Illustrationen sehr stimmig und passend gewählt. Die Marker und Spielplanteile wurden auf sehr stabiler Pappe gedruckt, sind gut gestanzt und die Pappteile lassen sich auch gut ineinander stecken, um den Spielplan aufzubauen. Die Miniaturen sind detailliert, haben nur leichte Platik-Gusskanten und der AT-ST überragt in seiner Größe alles (auch wenn die Frontkanone extrem schwer einzustecken war ... hier musste das Messer zum leichten kürzen her). Die Anleitungen sind gut, die Aufteilung in "Schnellstart" und Referenzhandbuch finde ich gut und gelungen, auch wenn man gerade am Anfang des öfteren hier nachschlagen muss. Kenner von Descent sind hier im Vorteil, da das Grundspielprinzip unverändert ist.

Ein Wort muss ich daher auch zum Vergleich "Descent" gegenüber "Imperial Assault" loswerden. Bei Imperial Assault basiert ein Großteil der Regeln und Spielelemente auf dem Fantasy-Dungeon-Crawl-Spiel "Descent - Die Reise ins Dunkel". Ist nun Imperial Assault nur ein Abklatsch? Bei weitem nicht! Auch wenn viele Gemeinsamkeiten bestehen, sind viele Regeln im Details verändert (und in meinen Augen auch verbessert) worden (z.B. die Bestimmung der Sichtlinie, der Ablauf einer Kampagne, die Aktivierung der Figuren). Mit den Gefechten bietet das Spiel auch noch einen komplett neuen Spielmodus, den es so in Descent nicht gibt. Muss man beide Spiele haben? Sicherlich nicht, aber ich finde, "Imperial Assault" bietet genügend Eigenständigkeit, um einen Kauf zu rechtfertigen. Will ich nur eines der Spiele kaufen, würde ich aktuell eher zu "Imperial Assault" greifen.

Wenn man die Regeln einmal verinnerlicht hat (was abgesehen von Detailfragen trotz der Regelmenge gar nicht so lange dauert), spielt sich Imperial Assault sehr flüssig und ohne große Leerlaufphasen. Das liegt z.B. auch an der Anpassung der Zugreihenfolge. Während bei Descent zunächst die alle Helden und dann erst der Overlord gezogen ist, wechseln sich bei Imperial Assault Rebellen- und Imperium-Spieler ab - eine Änderung, die mir gut gefällt. Auch bei den Kämpfen haben sich nur Details geändert, die Sichtlinie wird leicht verändert bestimmt, man kann Sonderaktionen (die per Energie-Symbol ausgelöst werden) nun auch abwehren und ein Rebell ist nicht gleich "tot", sondern zunächst "verwundet", was seine Fähigkeiten einschränkt. Außerdem ist bei Imperial Assault der Fernkampf deutlich wichtiger, als bei Descent - Rebellenspieler, die dies nicht beachten, werden hoffentlich schnell aus ihren Fehlern lernen.

Die Kampagne (soweit sie von mir schon gespielt wurde), gefällt mir sehr gut. Die Einsätze sind abwechslungsreich und in meinen Augen recht gut ausbalanciert - im gewissen Rahmen, soweit es bei solchen recht offenen strategischen Spielen machbar ist. Keine Seite wurde bisher so mächtig, dass die Mission zu leicht bzw. Selbstläufer wurden, was auch daran liegt, das es oft keinen alleinigen Sieger einer einzelnen Mission gibt - erst am Ende der Kampagne geht es um alles. Gut gefallen hat mir auch die Möglichkeit des Imperiums eigene Nebenmissionen ins Spiel zu bringen.

In meinen Augen ist der Gefechtsmodus ein weiteres Highlight vom Imperial Assault. Gerade die Kampagne macht bei nur 2 Spielern oftmals nicht ganz so viel Spaß, wie mit 3 oder mehr Spielern (aufgrund der Interaktionen der Rebellen-Spieler). Hier bieten die Gefecht eine gute Alternative: schnelle Eins-gegen-Eins Kämpfe mit selbst zusammengestellter Armee und einem Deck aus selbst bestimmten Sonderaktionen. Diese Art ein Spiel in 60 bis 90 Minuten zu beenden, sowie die Einflüsse aus Tabletop und Deckbuilding, sind für mich eine wirklich gelungene Überraschung und bieten auch den Spielern einen Mehrwert, die nicht regelmäßig 3 oder mehr Spieler zusammenbringen können.

Thematisch bringt Imperial Assault das Star Wars-Thema sehr gut rüber - an allen Ecken und Enden sieht man Anspielungen auf die Filme, trifft Charaktere, die man kennt (ich sage nur Darth Vader und Luke Skywalker) und fühlt sich als Teil dieser erdachten Welt. Eine Tatsache die mit neuen Erweiterungen noch zunehmen wird - R2-D2, C3-PO, Boba Fett, Banta-Reiter oder Han Solo sind nur einige der Charaktere, die den Spieler inkl. Miniatur in Zukunft begleiten können.

Nun zum Preis-Leistungs-Verhältnis. "Imperial Assault" ist mit aktuell ca. 75 Euro definitiv kein Schnäppchen, auch wenn man natürlich die Marke "Star Wars" mitbezahlt. An dieser Marke hängt m.E. auch das persönliche Fazit: Filmliebhaber, die statt "irgendwelcher" Fantasyhelden unbedingt mit Luke, Leia & Co. gegen Darth Vader und Konsorten kämpfen wollen, finden mit diesem Spiel einen wirklich tollen Zeitvertreib für viele Stunden. Die 2 Spielmodi (Kampagne und Gefecht) haben trotz der gleichen Regelgrundlage eine unterschiedliche Ausrichtung und richten sich an etwas unterschiedliche Spielertypen.

Wie von FFG gewohnt, sind bereits die ersten beiden größeren Erweiterungen angekündigt und mehr als 20 Miniaturerweiterungen erhältlich bzw. in Produktion, die einige Marker vom Verbündeten und Schurken ersetzen sowie neue Missionen und Gefechte bieten.

Für mich persönlich ist das Spiel ein (wenn auch recht teures) Highlight dieses Jahres im Bereich "Expertenspiele". Ich habe auch nichts gegen die vielen (zwischen 7 und 15 Euro teuren) Miniaturerweiterungen - das Hauptspiel ist auch ohne sie gut spielbar. Man wird also nicht gezwungen diese zu kaufen ... auch wenn die Verlockung Chewbacca, Boba Fett, R2-D2, C3-PO usw. als Miniatur zu besitzen stetig wächst ;-) Ob einem das Spiel den hohen Preis wert ist, muss jeder selbst entscheiden, Fans von Star Wars sowie "Dungeon-Crawl"-Spielen sollten aber auf jeden Fall mal eine Blick riskieren! Ob nun dunkle oder helle Seite der Macht - der Anziehungskraft dieses Spiels, kann man sich nur schwerlich widersetzen, wenn man auf komplexere semi-kooperative Strategie-Titel steht.



28. September 2015 - (Thorsten Pohl)

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