Rezension von Trapper


(Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das uns freundlicherweise von Clementoni bereitgestellt wurde.)

Rezension

Ersteindruck
Aus gegebenem Anlass teile ich den Ersteindruck in zwei Teile: In "Vor-" und in "Nach dem Herauslösen der Pappplättchen". Mehr dazu gleich.

Also, die erste Rezension eines Clementoni-Spiels beginnt noch recht normal. Das Cover ist hübsch gestaltet und nach dem Öffnen der Schachtel findet der Käufer diverse Papp-Bögen mir Markern und Goldstücken, einen Stapel Karten und einige (wenige) Holzspielsteine. Die Marker sind wirklich schön gestaltet und wissen zu gefallen. Insgesamt lässt sich über das Spielmaterial eigentlich nichts Negatives sagen. Wichtig zu wissen ist noch, dass die (noch nicht heraus gelösten) Papp-Marker ursprünglich fein säuberlich in der Packung gestapelt sind. Die Karten sind nett aber nichts besonderes.

Die Anleitung von Trapper ist schön gegliedert - sämtliche Regeln werden gut erklärt und mit Bildern illustriert. Am Ende der Regeln findet sich noch eine Spielvariante, die ein etwas taktisches Spiel ermöglicht - diese wird in der Rezension allerdings nicht näher beleuchtet.

So, nun komme ich zum 2. Teil des Ersteindrucks. Denn nachdem man die (noch nicht heraus gelösten) Pappmarker, die fein säuberlich in der Verpackung Platz haben, einmal herausgelöst hat, bricht in der Verpackung im wahrsten Sinne des Wortes das Chaos aus. Abgesehen von den Karten gibt es für kein Spielmaterial eine vernünftige Aufbewahrung - alles fliegt kreuz und quer durch die Verpackung und das finde ich bei dem schönen Spielmaterial wirklich sehr schade. Hierbei frage ich mich wirklich, wer so ein Plastik-Inlet entworfen hat ... denn dieses zieht in meinen Augen den kompletten Ersteindruck nach unten. Zum Glück, kann diesen Makel das eigentliche Spiel problemlos ausgleichen...

Thema & Ziel des Spiels
Mit dem Trapper durch die Wildnis streifen. Dabei Pilze und Pflanzen finden sowie Tiere fangen, um deren Felle im nächsten Ort zu verkaufen. Darum geht es grob gesagt in Trapper. Aber nur, wer die passenden Tiere findet, wird die Felle verkaufen können.

Gewonnen hat der Spieler, der am Spielende das meiste Gold besitzt.

Spiel-Vorbereitungen
Die Beuteplättchen werden gemischt und verdeckt in einer 8x8-Matrix ausgelegt. An die Ecken der Plättchen werden die 4 Eck-Marker gelegt. Die mittleren 4 (2x2) Plättchen werden aus dem Spiel genommen und stattdessen die 4 Trapperfiguren aufgestellt. Die 8 Plättchen, die direkt (waagerecht und senkrecht) an die Trapperfiguren grenzen werden umgedreht und mit dem aufgedruckten Schmetterling am Schmetterling ausgerichtet, der sich auf einem der Eck-Plättchen befindet.

Die 6-eckigen Plättchen werden nach Typ ("Tierarten" und "Kanus") sortiert bereit gelegt. Ebenso das Gold. Die Karten werden gemischt - jeder Spieler erhält 6 Karten auf die Hand.

Spielablauf
Durch das Ausspielen von Karten zieht der Spieler mit dem Trapper auf ein angrenzendes (waagerecht oder senkrecht) aufgedecktes Plättchen und nimmt dieses zu sich. Beim Ziehen ist allerdings folgendes zu beachten: Auf einer Seite des Plättchens befindet sich Wasser - von dieser Richtung darf der Trapper nicht auf das Plättchen ziehen. Hat der Spieler ein Plättchen genommen, deckt er waagerecht und senkrecht verdeckt liegende Kärtchen auf und richtet den aufgedruckten Schmetterling an dem Schmetterling auf einem der Eckmarker aus.

Die aufgesammelten Plättchen werden vom Spieler in sog. Reihen ausgelegt. Das erste Plättchen einer Reihe muss immer ein Kanu bilden. Es gibt 4 verschiedene Sorten Plättchen:
  • Kanus (mit abgebildeten Tieren)
  • Tiere
  • Pilze
  • Pflanzen
Das Kanuplättchen zeigt zwei Dinge an: Einerseits die Tierart, die an das Kanu ausgelegt werden darf und die Anzahl der Tiere, die das Kanu fassen kann. Nur die dargestellte Tierart darf an das Kanu angelegt werden. Ist die dargestellte Anzahl an Tieren an das Kanu angelegt, ist das Kanu vollständig und wird sofort gewertet. Der Spieler bildet aus allen diesen Plättchen einen Stapel und addiert die bei den Tieren aufgedruckten Zahlen. Die Summe*2 erhält der Spieler an Goldstücken. Den Plättchenstapel behält der Spieler vorerst.

Zusätzlich zu den Tieren darf in jedem Kanu jeweils eine Pilzkarte und eine Pflanzenkarte liegen, die bei vollen Kanus ebenfalls gewertet werden. Einmal anliegende Kärtchen dürfen nicht mehr umgelegt werden. Ein Plättchen, das einmal an ein Kanu angelegt wird, darf nicht mehr umgelegt werden. Erhält der Spieler ein neues Kanu, muss er sofort alle Einzelkärtchen (die nicht an einem anderen Kanu anliegen) an das Kanu anlegen, die dort regelgerecht liegen dürfen.

Kann sich ein Trapper nicht regelgerecht bewegen, z.B. weil er an keine Plättchen angrenzt, oder aufgrund der Wasserseiten auf kein Plättchen ziehen darf, ist er isoliert. Ein isolierter Trapper kann stattdessen auf ein beliebiges aufgedecktes Kärtchen gezogen werden.

Es gibt zwei Sonderwertungen: "Wertvollstes Kanu" und "Die meisten Tierarten". Die Karten zum wertvollsten Kanu erhält man automatisch, sobald man ein Kanu wertet, das einem Spieler mehr als 15 Goldstücke einbringt. Der Spieler erhält das Plättchen mit der Nummer, die der erhaltenen Goldmenge entspricht. Ist die Karte mit dieser Nummer nicht mehr vorhanden, erhält der Spieler (falls möglich) die nächst niedrigere Karte.

Die Sonderkarten "meiste Tierarten" kann der aktuelle Spieler jederzeit einlösen. Er gibt dafür bereits gewertete Kanustapel an, die alle verschiedene Tierarten zeigen müssen. Die Anzahl der Tierarten gibt die Zahl auf der Sonderkarte an. Ein Spieler kann von jeder Sonderwertung mehrere Karten besitzen. Auch hier gilt, ist die Karte mit der entsprechenden Zahl nicht mehr vorhanden, erhält der Spieler (falls möglich) die nächst niedrigere Karte.

Das Spiel endet, wenn kein Spieler mehr Züge durchführen will oder wenn das Spielfeld komplett geleert ist. Nun werden zunächst die beiden Sonderwertungen gewertet. Der Spieler mit jeweils der höchsten Karte erhält 12 Goldmünzen. Der Spieler mit der zweithöchsten Karte (das kann u. U. auch der gleiche Spieler sein) erhält 8 Goldmünzen. Die restlichen Goldauszahlungen betragen 5, 3 und 2 Goldmünzen.

Nun werden die noch ausliegenden und nicht gewerteten Plättchen ausgewertet. Für jede Kanureihe (d.h. Kanu + mind. eine anliegende Karte) erhält der Spieler die Summe der Zahlen aus der Reihe als Gold. Für jedes Einzelplättchen (d.h. Tier, Pflanze oder Pilze ohne Kanu bzw. Kanu ohne anliegende Karte) gibt der Spieler die Anzahl an Goldmünzen ab, die auf der Karte aufgedruckt ist. Bei Einzelkanus gilt die Anzahl der abgebildeten Tiere. Es gewinnt der Spieler, der nun das meiste Gold besitzt.

Fazit
Da Malheur mit der völlig missratenen Verpackung habe ich ja bereits im Ersteindruck beschrieben und es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie man so eine Verpackung entwerfen kann. Das ansonsten so schön gewordene Spielmaterial fliegt vollkommen ordnungslos in der Packung herum. Zum Glück ist dies der einzige grobe Schnitzer, den ich an diesem Spiel auszusetzen habe.

Das Thema "Wildnis" finde ich bei Trapper wirklich schön umgesetzt, die Illustrationen sämtlicher Teile sind als gelungen zu bezeichnen und alle Papp-Marker wurden auf sehr dicker Pappe gedruckt, die sich gut greifen lassen. Der Aufbau der Spiels (das Legen der 8x8 Karten) sowie die Tatsache, das jeder Spieler mit allen 4 Trappern spielen kann ist ungewöhnlich aber ein interessanter Ansatz. Die recht wenigen Regeln des Spiels sind neuen Spielern schnell erklärt (ca. 10 Minuten) und auch das eigentliche Spiel geht recht schnell von statten - unsere Spieler dauerten im Schnitt 30 bis 40 Minuten.

Stragie- und Glücksmomente halten sich in meinen Augen recht gut die Waage. Natürlich ist man stark auf die gezogenen Karten bzw. die umzudrehenden Plättchen angewiesen - hat man hier Pech, nützt einem alles planen nichts. Das Grundprinzip des Spiels (Karten sammeln und in Gruppen zusammenfassen) erinnert entfernt etwas an Zooloretto, auch wenn die Spielmechanik bei Trapper natürlich eine andere und die strategische Seite nicht ganz so ausgeprägt wie beim "Spiel des Jahres 2007" ist. Ganz auf sein Glück sollte man sich natürlich nicht verlassen, denn mit der richtigen Strategie, welche Karten zu spielen und welche Plättchen umzudrehen sind, lässt sich einiges wieder ausgleichen. Gerade im letzten Drittel des Spiels ist es immens wichtig, hier die richtigen Entscheidungen zu treffen, da hier noch einige Punkte gesammelt werden können (durch das absichtliche Isolieren eines Trappers und anschließenden Versetzen an eine andere Ecke des Spiels kann man schöne Spielzüge hervorrufen).

Ein weiterer Aspekt des Spiels ist es, die richtige Mischung aus "Abwarten" und "Punkte direkt eintauschen" zu finden - hierbei gilt es die Mitspieler gut im Auge zu behalten. Die Bonus-Chips am Ende sind oft spielentscheidend, daher ist nichts ärgerlicher, als durch zu spätes Eintauschen nur noch minderwertige Bonus-Chips zu erhalten. Leider kann es aber auch vorkommen, dass zu frühes Eintauschen bestraft wird, wenn die Gegner noch genug Zeit haben zu sammeln. Ein echtes Dilemma, das dem Spiel einen interessanten Kniff beschert.

Trapper ist ein schönes Familienspiel (nicht zuletzt des Themas wegen), das man recht schnell erklären und spielen kann. Es hat keine wirklichen Highlights aber auch keine wirklich markanten Schwächen und hat uns allen Spaß gemacht. Wenn Clementoni dem Spiel nun noch ein vernünftiges Plastik-Inlet spendieren würde, wäre ich rundum zufrieden.



12. Januar 2008 - (tp)

Rezensionsbilder