Rezension von Stone Age


(Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das uns freundlicherweise von Hans im Glück bereitgestellt wurde.)

Rezension

Ersteindruck
Schon das Cover von Stone Age stimmt gelungen auf das Spielerlebnis in der Steinzeit ein - der gelungene optische Gesamteindruck zieht sich ausnahmslos durch das gesamte Spielmaterial. Und Spielmaterial gibt es in der Verpackung reichlich: ein Spielplan, 4 Spielertableaus, diverse Marker und Plättchen, ein Stapel Karten, 2 Tüten mit Holzspielsteinen sowie 7 Würfel samt Würfelbecher. Hier hat der Hans im Glück Verlag wirklich sehr gelungenes Spielmaterial spendiert.

Auch die Anleitung weiß zu überzeugen und stellt die (überschaubere) Regelvielfalt mit vielen Beispielen dar, so dass eigentlich keine Fragen offen bleiben sollten. Ein rundum gelungener Ersteindruck auf sehr hohem Standard.

Thema & Ziel des Spiels
Die Menschen in der Steinzeit hatten es schwer. Immer auf der Suche nach genügend Nahrung, um die Familie zu ernähren und gleichzeitig darum bemüht mit Rohstoffen die ersten Errungenschaften der Menschheit zu produzieren. Auf vielfältige Art können die Spieler Punkte sammeln und wer am Spielende die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

Spiel-Vorbereitungen
Der Spielplan kommt in die Tischmitte. Nahrungsplättchen, Holz, Ziegel, Steine und Gold werden auf die entsprechenden Felder gelegt. Die Werkzeuge werden nach 1er/2er bzw. 3er/4er sortiert und auf die Felder in der Spielplanmitte gelegt. Die Zivilisationskarten werden gemischt und die obersten 4 Karten von rechts nach links auf den 4 Kartenfeldern platziert. Die Gebäudekärtchen werden gemischt und in 7er-Stapeln auf (je nach Spielerzahl) 2 bis 4 Felder verteilt.

Jeder Spieler erhält ein Spielertableau, 5 Personen, 12 Nahrung und 2 Zählsteine, die auf das Null-Felde der Nahrungsleiste bzw. Punkteleiste gelegt werden. Die Würfel und die restlichen Personensteine werden griffbereit abgelegt. Der Startspieler erhält die Startspielerfigur.

Spielablauf
Das Spiel verläuft in Spielrunden. Jede Runde besteht aus 3 Abschnitten, die die Spieler durchführen.

1. Personen einsetzen
Beginnend mit dem Startspieler setzt jeder Spieler eine oder mehrere seiner Personen auf dem Spielplan ein. Dieser Abschnitt dauert so lange, bis alle Personen eingesetzt sind. Personen werden immer, außer bei der Jagd, auf die Kreisfelder gesetzt.

In folgenden Orten können Personen eingesetzt werden:
  • Werkzeugmacher: genau eine Person
  • Hütte: genau zwei Personen eines Spielers
  • Acker: genau eine Person
  • Jagd: beliebig viele Personen von beliebigen Spielern
  • Wald/Lehmgrube/Steinbruch/Fluss: 1 bis 7 Personen von beliebigen Spielern
  • Zivilisationskarten: genau eine Person pro Karte von beliebigen Spielern
  • Gebäude: genau eine Person pro Gebäude von beliebigen Spielern

2. Mit Personen handeln
Beginnend mit dem Startspieler handelt jeder Spieler mit allen seinen Personen in beliebiger Reihenfolge. Abgehandelte Personen nimmt der Spieler zurück auf sein Tableau. Folgende Aktionen gibt es:
  • Werkzeugmacher: Der Spieler erhält ein neues Werkzeug. Dabei müssen zunächst alle 3 Werkzeugplätze auf dem Tableau mit den gleichen Werkzeugwerten besetzt werden, bevor ein Plättchen auf den nächsthöheren Wert gedreht wird.
  • Hütte: Der Spieler erhält eine zusätzliche Person.
  • Acker: Der Spieler rückt seinen Nahrungsstein um ein Feld nach oben.
  • Jagd: Für jede hier abgestellte Person würfelt der Spieler mit einem Würfel. Für jede volle 2 erhält der Spieler eine Nahrung. Wie auch bei allen anderen Würfel-Aktionen kann ein Spieler die gesammelten Werkzeuge einsetzen, um den Würfelwurf zu erhöhen.
  • Wald/Lehmgrube/Steinbruch/Gold: Für jede hier abgestellte Person würfelt der Spieler mit einem Würfel. Für jede volle 3 (Wald), 4 (Lehm), 5 (Stein) oder 6 (Gold) erhält der Spieler einen entsprechenden Rohstoff. Werkzeuge können eingesetzt werden.
  • Zivilisationskarten: Der Spieler bezahlt die über der Karte angegebenen Rohstoffe (1 bis 4) und nimmt sich die Karte. Weiterhin erhält er die oben auf der Karte angegebenen "Rohstoffe".
  • Gebäude: Der Spieler bezahlt die auf dem Gebäude angegebenen Rohstoffe und nimmt sich das Gebäude. Weiterhin zieht er seinen Punktestein um die auf dem Gebäude angegebene Punktzahl nach vorne.

3. Personen ernähren
Für jede Person, die der Spieler auf dem Tableau stehen hat, muss der Spieler nun eine Nahrung bezahlen, doch zunächst erhält er die Anzahl an Nahrung, die sein Nahrungsstein anzeigt. Kann ein Spieler die Nahrung nicht aufbringen, muss er sämtliche Nahrung abgeben und versuchen den Rest mit Rohstoffen zu bezahlen. Gelingt auch dies nicht, verliert er 10 Punkte.

Nun beginnt eine neue Runde. Die verbliebenen Zivilisationskarten werden nach rechts aufgefüllt und die leeren Plätze von rechts nach links mit neuen Karten belegt. Das Spiel endet zu Beginn der Runde, in der die Karten nicht mehr aufgefüllt werden können bzw. am Ende der Runde, in der mindestens ein Gebäudestapel leer wurde. Dann erfolgt die Schlusswertung.

Folgende Punkte addiert jeder Spieler zu seiner bisher erreichten Punktzahl:
  • Die Anzahl an verschiedenen Zivilisationskarten mit grünem unteren Bereich werden mit sich selbst multipliziert.
  • Je nach Anzahl der Karten mit sandfarbenem unteren Bereich erhalten sie Spieler weitere Punkte.
  • 1 Punkt für jeden Rohstoff

Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.

Fazit
Das überaus gelungene Spielmaterial habe ich im Ersteindruck schon ausgiebig gelobt. Doch die Frage ist: Kann das eigentliche Spiel diese hohen Erwartungen bestätigen. Um es kurz zu machen: Auf jeden Fall!

Es gibt wenige Spiele, an denen ich eigentlich nichts auszusetzen habe. Agricola war so ein Spiel und Stone Age ist ebenso eines. Das liegt vor allem an der großen Zugänglichkeit von Stone Age, d. h. die Regeln sind einerseits überschaubar und recht zügig erklärt, andererseits bietet das Spiel aber genügend Spieltiefe zum ausprobieren und optimieren.

Durch die einzelnen (teils begrenzten) Aktionsmöglichkeiten muss jeder Spieler "seine" Gewinnstrategie entwickeln, die sich nach den ersten Spielrunden langsam ergeben sollte. Vor allem am Spielbeginn sind die 1er Aktionen (Acker bzw. Werkzeugmacher) sehr sehr begehrt, da man einerseits seine Nahrungsversorgung auf eine stabile Basis stellen sollte, andererseits Werkzeuge zum Verbessern von Würfelergebnissen immer hilfreich sind. Nach den ersten Sammelrunden drängen sich die Gebäude- und Zivilisationskaten immer mehr in den Vordergrund, denn die Rohstoffe sind nur Mittel zum Erwerb dieser Punktelieferanten, ohne die man am Ende des Spiels nicht gewinnen kann. Gerade die Zivilisationskarte, die nur einen Rohstoff kostet ist ihren Preis eigentlich immer wert und dementsprechend begehrt. Die Entscheidung "Gebäude oder Zivilisationskarten" muss eigentlich "Gebäude und Zivilisationskarten" heißen, denn eine geschickte Auswahl der gesammelten Karten kann am Spielende den entscheidenden Vorteil bringen kann.

Beim Spielen sollte man immer die Verbindungen zwischen den Spielelementen im Auge behalten: Nahrung dient nur zur Ernährung und bringt (außer dem Marker auf der Nahrungsleiste) keine Punkte. Rohstoffe - vor allem die hochwertigen Rohstoffe - dienen in erster Linie zum Erwerb der Gebäudeplättchen. Holz bzw. Stein wird meist zum Erwerb der Zivilisationskarten eingesetzt und sorgt so am Spielende für Zusatzpunkte bzw. während des Spiels für Bonusrohstoffe bzw. -nahrung. Diese logischen Abhängigkeiten und die gelungene Umsetzung der Spielmechanik begeisterten nahezu alle Spieler, die das Spiel gespielt haben. Gepaart mit den hervorragenden Äußerlichkeiten des Spiels entsteht ein rundum gelungener Gesamteindruck. Es ist stets motivierend die optimalsten Aktionen in jeder Spielrunde zu finden und auch wenn jede Spielrunde nach dem gleichen Schema abläuft kommt nie Langeweile oder Leerlauf aus, da alle Spieler nahezu gleichzeitig agieren. Einziger kleiner Kritikpunkt der vereinzelt angebracht wurde - und den ich persönlich teilweise nachvollziehen kann - ist die recht lange Spielzeit, die bei 3 oder 4 Spielern durchaus 90 bis 120 Minuten dauern kann.

Insgesamt kann man sich nur viel mehr Spiele wie Stone Age wünschen - hier gibt ich aus meinem persönlichen Spielgefühl nichts zu verbessern. Definitiv ein Spiele-Highlight, das ich allen Spielerunden empfehlen kann - sowohl Gelegenheitsspieler als auch Strategen fühlen sich hier gut unterhalten.



05. Mai 2009 - (tp)

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